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Wintergerste (Hordeum vulgare)

Deutschland gehört weltweit zu den größten Gerstenproduzenten. Hierbei ist Schleswig-Holstein aufgrund des maritim beeinflussten Klimas sowie der positiven Bodenbedingungen mit einer Anbaufläche von rd. 56.000 ha (2005) hervorzuheben. Ursprünglich kommt die Gerste  aus dem Vorderen Orient und der östlichen Balkanregion. Im letzten Jahrhundert gewann die Gerste immer mehr als energie- und ertragreiches Futtermittel an Bedeutung. Zudem ist die Braugerste für die Bierproduktion erforderlich. Zumeist wird das Land vor der Aussaat gepflügt. Hierbei ist auf eine trockene Bodenbearbeitung zu achten, da die Gerste auf Nässe mit sehr ungleichem Feldaufgang reagiert. Man unterscheidet beim Anbau zwischen Winter– und Sommergerste. Wobei die Hauptunterschiede im Ertrag, sowie Aussaatzeitpunkt zu finden sind. Wird die ertragreichere Wintergerste im September ausgesät, so ist die im Frühjahr ausgesäte Sommergerste ertragsschwächer. Die Dünge- sowie die Pflanzenschutzmaßnahmen sind notwendig, um das maximale Ertragspotential zu erreichen. In der im Juli anstehenden Ernte werden in Abhängigkeit verschiedener Faktoren (z.B. Boden, Klima, Betrieb) Erträge zwischen 40 und 95 dt/ ha geerntet.

Bodenbearbeitung

Trockene Bodenbearbeitung ist Vorraussetzung
für eine gute Ernte.

Grundsätzlich hat die Gerste geringere Bodenansprüche als der Weizen. Neben lockeren, kalkreiche Lehmböden kann sie auch - bei ausreichender Wasserversorgung - Sandböden ab 30 Bodenpunkten gut vertragen. Zumeist steht sie in der Fruchtfolge nach dem Winterweizen als abtragende Frucht. Die Bodenbearbeitung erfolgt überwiegend wendend, d.h. das der Boden gepflügt wird. Insbesondere ist darauf zu achten, dass die Aussaat bei trockenen Verhältnissen erfolgt.

Aussaat

Die moderne Aussattechnik ermöglicht eine
optimale Ablage des Saatgutes.

Der optimale Aussaatzeitpunkt für Wintergerste liegt im September. Für die Sommergerste im frühen März. Beide werden in einer Tiefe von 2-4 cm abgelegt und benötigen dabei ein ausreichend abgetrocknetes feinkrümeliges Saatbett. Die Saatmenge berechnet sich noch folgendem Schema:

                                              keimfähige Körner/m2 x Tausendkorngewicht
    Saatmenge in kg/ha=   -------------------------------------------------------
                                              Keimfähigkeit (%) x erwarteter Feldaufgang (%)

Bei optimalen Bedingungen sind daher 220-280 Körner/ m2 (Wintergerste) bzw. 280-350 Körner/ m2 (Sommergerste) auszusäen.

Pflanzenschutz

Pflanzenschutzgeräte müssen alle zwei Jahre von
einer zertifizierten Werkstatt kontrolliert werden.

Zur optimalen Ausnutzung des genetisch vorhandenen Ertragspotentials sind Pflanzenschutzmaßnahmen unabdingbar. Neben Fraßschädlingen wie Getreidehähnchen und Blattlaus, gegen die mit selektiven Insektiziden vorgegangen werden kann, können Pilzkrankheiten wie Mehltau, Rynchosporium und Zwergrost die Ertragsleistung deutlich mindern. Diese werden mit effektiven Fungiziden behandelt. Mit dem Einsatz von Herbiziden werden konkurrierende Beikräuter und –gräser unterdrückt. Alle notwendigen Pflanzenschutzmaßnahmen werden erst nach Übertreten einer festgelegten Schadschwelle bzw. aufgrund von Empfehlung des amtlichen Warndienstes durchgeführt.

Düngung

Moderne Technik garantiert eine gleichmäßige
Düngerverteilung.

Gerste ist kaum in der Lage Grundnährstoffe (P2O5, K2O sowie MgO) aufzunehmen. Daher ist eine ausreichende Grundversorgung dieser Nährstoffe im Boden durch Düngung sicherzustellen. Bei der Berechnung der auszubringenden Nährstoffmenge fließen die Ergebnisse der regelmäßig gezogenen Bodenproben ein.
Die Düngemenge an Stickstoff ("Treibstoff des Wachstums") ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Neben der Standfestigkeit der Sorte, den aktuellen Nmin-Ergebnissen ist insbesondere das N-Nachlieferungsvermögen zu berücksichtigen. Zumeist wird der Stickstoff bei der Wintergerste in drei Teilgaben gegeben. Die Gesamtdüngemenge liegt zwischen 140kgN (leichtere Standorte) und 190kgN (schwere, ertragsreiche Standorte).

Ernte

In Schleswig- Holstein beginnt die Wintergersten-
ernte zumeist Anfang Juli.

Wintergerste eröffnet die Getreidesaison. Die Erträge liegen zwischen 50-90dt/ha. Die ertragsschwächere Sommergerste bringt hingegen 40-60dt/ ha. Bei der Ernte ist insbesondere auf eine vernünftige Entgrannung zu achten. Hierfür werden teils spezielle Entgrannerbleche in die Mähdrescher eingebaut, die helfen sollen, das Korn von den langen Grannen zu trennen. Wichtig ist ein relativ später Erntezeitpunkt, damit die Grannen brüchig werden. Hierbei ist jedoch Fingerspitzengefühl gefragt, da bei einer zu späten Ernte die Pflanzen so reif sind, dass die Ähren aufgrund des Eigengewichtes abbrechen und nicht mehr geerntet werden können (Problem bei der Ernte 2007).